Theoriearchitektur / Thema II von VI

Katallaktik

Gesellschaft ist kein Subjekt, sondern ein emergentes Geflecht spezifischer Beziehungen, aus der die Gesellschaft als Gestalt – die Gestalt der modernen Gesellschaft – hervorgeht. Der Optimierungsansatz – die logic of choice – macht Gestaltdenken unmöglich. Sie geht von einem bereits geordneten Raum der Alternativen aus und abstrahiert von dem Prozess, durch den sich die getrennten Subjekte zu einer Gesellschaft synthetisieren, untereinander koordinieren und dadurch das Knappheitsproblem bewältigen.

Die basale Operation ist der Tausch von Gütern, insbesondere der Tausch gegen Geld. Der Tausch ist eine triadische Operation. EGO und ALTER kommunizieren über knappe Güter, treffen eine Vereinbarung und beliefern sich wechselseitig.
Der eine erhält, was er ganz speziell braucht, der andere was er allgemein braucht: Geld – ein Gut, das er jederzeit gegen andere Güter eintauschen oder bestehende Schulden begleichen kann.

Tausch ist die wichtigste soziale Form, durch die sich autonome Einheiten – Fremde – miteinander verknüpfen. Geld ist das dazugehörige Medium. Ohne Tausch und Geld kann sich eine moderne Gesellschaft nicht bilden. Aber auch ohne Staat nicht.

Der Mainstream abstrahiert vom Prozess der Synthesis (Koordination), mit der Folge, dass die Koordinationsmechanismen Markt und Plan ersetzbar erscheinen. Das ist Nirwana-Ökonomik: Sie setzt voraus, was die moderne Gesellschaft aus sich heraus leistet, um zu bestehen und zu funktionieren. Auf die Formen Tausch und Geld kann sie keinesfalls verzichten.

Staatliches Handeln und die Katallaxie der Gesellschaft ergänzen sich welchselseitig. Das Verhältnis ist jedoch asymmetrisch. Die Katallaxie der Gesellschaft ist die Basis. Der Staat ist die Einrichtung über ihr. Er ist mit Zwangsinstrumenten ausgerüstet. Seine Aufgabe: den konflikthaften Prozess in nachhaltige Bahnen zu lenken.

Erst die Durchsetzung des katallaktischen Prinzips hat den Prometheus freigesetzt.

Der Dyadiker betrachtet alles aus der Perspektive der Ressourcenoptimierung. Dem Triadiker geht es um Beziehungen.

Da sich moderne Gesellschaften notwendigerweise als Katallaxie organisiert, muss die Analyse der Gesellschaft auf der katallaktischen Methodik beruhen. D.h. die Analyse der Wirtschaft als System muss beim Tausch ansetzen.

Leitsätze

Gesellschaft ist kein Subjekt, sondern ein Geflecht von Beziehungen, welche die Menschen freiwillig und aus eigenem Interesse knüpfen.

Tausch verbindet autonome Einheiten; Geld generalisiert diese Verbindung.

Die Ordnung des Marktes entsteht in einem Prozess gleichsam von unten – sie ist nicht bereits vorausgesetzt.

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